Spiele zur kognitiven Stimulation bei Alzheimer: wo hat Schach seinen Platz?
Spiele zur kognitiven Stimulation bei Alzheimer sind Aktivitäten, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache fordern und vor allem im leichten und mittleren Stadium angeboten werden. Ein Cochrane-Review von 37 Studien sieht einen kleinen Nutzen strukturierter Programme. Das vollständige Schachspiel passt selten, vereinfachte Formen können früheren Spielern aber Freude machen.
Kognitive Stimulation: strukturierte Aktivitäten, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Denken beanspruchen, in der Gruppe oder einzeln angeboten, insbesondere Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz. Sie unterscheidet sich vom kognitiven Training, das gezielte Übungen für nur eine Funktion wiederholt.
Spiele zur kognitiven Stimulation bei Alzheimer: was die Forschung sagt
Zu den wenigen nicht medikamentösen Maßnahmen, die in echten randomisierten Studien untersucht wurden, zählt die kognitive Stimulation. Die maßgebliche Synthese ist der 2023 aktualisierte Cochrane-Review.
Woods et al., 2023 (Cochrane) · Cochrane Database of Systematic Reviews · DOI 10.1002/14651858.CD005562.pub3
Cognitive stimulation to improve cognitive functioning in people with dementia
- Wer
- 37 Studien, 2 766 Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz
- Typ
- Systematische Übersichtsarbeit randomisierter Studien · Evidenzgrad: mittel bis hoch
- Ergebnis
- Die kognitive Stimulation (in der Regel etwa zwanzig Gruppensitzungen über rund zehn Wochen) bringt wahrscheinlich einen kleinen kognitiven Nutzen, der etwa sechs Monaten vermiedenen Abbaus entspricht, sowie Effekte auf Kommunikation und Stimmung.
- Was die Studie nicht aussagt
- Wenige Daten zu langen Programmen; Schach wird nicht als solches untersucht.
Daraus lassen sich drei praktische Erkenntnisse ziehen. Erstens ist der Nutzen klein, aber real, und er geht mit Effekten auf Stimmung, Kommunikation und sozialen Austausch einher. Zweitens laufen die untersuchten Programme regelmäßig und gemeinschaftlich ab: etwa zwei Treffen pro Woche über mehrere Wochen, in einer kleinen Gruppe. Drittens sind die Aktivitäten darin abwechslungsreich (Gespräch, Wortspiele, Kategorisieren, Erinnerungen, Gesellschaftsspiele): Kein Spiel ist für sich allein „das“ richtige.
In Frankreich hat die Haute Autorité de santé im Mai 2018 einen Leitfaden zum Versorgungsweg von Patientinnen und Patienten mit einer neurokognitiven Störung im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit oder einer verwandten Erkrankung veröffentlicht. Er betont nicht medikamentöse Maßnahmen schon bei den ersten Anzeichen, um Selbstständigkeit und Wohlbefinden zu erhalten, und stellt die Hausärztin oder den Hausarzt in den Mittelpunkt des Versorgungswegs. Angehörigenvereinigungen wie France Alzheimer bieten außerdem Aktivitäten und Gesprächsgruppen für pflegende Angehörige an.
Zum Schach im Besonderen ist die Literatur dünn: Die Übersichtsarbeit von Lillo-Crespo und Kollegen (2019) kommt zu dem Schluss, dass das Spiel in der Vorbeugung vielversprechender erscheint als nach der Diagnose, da Studien bei erkrankten Menschen fehlen. Die Bevölkerungsstudien stellen wir auf der Seite Schach und Alzheimer dar.
Welches Spiel zu welchem Stadium der Krankheit
Die folgende Tabelle gibt Anhaltspunkte für die Gruppenleitung, keine Verordnungen: Jeder Mensch hat seine Geschichte, seine Vorlieben und seine Fähigkeiten, die von Tag zu Tag schwanken.
| Spiel | Beanspruchte Funktionen | Material | Erforderliche Selbstständigkeit | Am besten geeignetes Stadium (Anhaltspunkt) |
|---|---|---|---|---|
| Vollständiges Schach | Planung, anhaltende Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis | Schachbrett, gut lesbare Figuren | Hoch | Menschen ohne oder mit sehr leichter Störung, frühere Spieler |
| Vereinfachtes Schach (Kurzpartien, Aufgaben) | Erkennen, Aufmerksamkeit, prozedurales Gedächtnis | Schachbrett, einige Figuren | Mittel, mit Begleitperson | Leicht, bei früheren Spielern manchmal mittelschwer |
| Dame | Aufmerksamkeit, einfaches Vorausdenken | Spielbrett, Steine | Mittel | Leicht bis mittelschwer |
| Domino | Zuordnen, Zählen, abwechselnd am Zug sein | Dominosteine mit großen Augen | Gering bis mittel | Leicht bis mittelschwer |
| Mahjong (einfache Version) | Visuelles Erkennen, Kategorisieren | Spielsteine | Mittel | Leicht, bei Menschen, die es kennen |
| Memory | Visuelles Kurzzeitgedächtnis | Bilderpaare (vertraute Fotos möglich) | Gering | Leicht bis mittelschwer, mit wenigen Paaren |
| Bingo | Zuhören, Erkennen von Zahlen, Aufmerksamkeit | Karten, Spielmarken | Gering | Mittelschwer, und in der Gruppe |
Im schweren Stadium läuft die Stimulation eher über die Sinne (Musik, Berührung, vertraute Gegenstände) als über die Regeln eines Spiels. Schöne Holzfiguren in der Hand zu halten, sie in ihre Schatulle zu räumen oder das Schachbrett aufzustellen, kann für einen früheren Spieler auch ohne Partie ein angenehmer Moment bleiben.
Vereinfachtes Schach: sechs Ideen für Übungen
Für jemanden, der früher Schach gespielt hat, wird das vollständige Spiel mit der Krankheit oft zu anspruchsvoll. Reduzierte Formen erlauben es, die Freude an den Figuren und am Brett zu bewahren.
- Figuren benennen und aufstellen. Gemeinsam die Grundstellung aufbauen und dabei jede Figur benennen. Das ist eine Übung für das alte Gedächtnis, das bei früheren Spielern oft gut erhalten ist.
- Die Bauernschlacht. Jede Seite hat nur ihre acht Bauern; wer zuerst einen Bauern auf die letzte Reihe bringt, gewinnt. Kurze Regel, kurze Partie.
- König und Bauern. Man fügt die Könige hinzu: Man muss den eigenen schützen und zugleich vorrücken. Eine Etappe auf dem Weg zum vollständigen Spiel.
- Matt in einem Zug. Eine einfache Stellung, nur eine richtige Antwort. Man wählt Stellungen, in denen die Lösung sichtbar ist, damit das Treffen mit einem Erfolg endet.
- Eine berühmte Partie nachspielen. Die Leitung liest die Züge vor, die Person bewegt die Figuren. Kein Rechnen, aber Aufmerksamkeit und Freude.
- Die Partie zu viert. Zwei Teams zu je zwei Spielern: Der Austausch zählt so viel wie der Zug.
Spiele, die kaum etwas kosten
An kostenlosen Spielen zur kognitiven Stimulation fehlt es nicht: ein Kartenspiel, Familienfotos als Memory, ein Bingo aus ausgeschnittenen Bildern, ein Kreuzworträtsel in Großschrift. Auch das alte Schachbrett vom Dachboden tut es. Wichtiger als das Material sind die Anwesenheit eines Partners und die Regelmäßigkeit der Treffen.
Für den täglichen Gebrauch erleichtern große, kontrastreiche Figuren, ein Brett, das nicht rutscht, und Spiele, die auch ungeschicktere Hände gut greifen können, vieles. Zur Abwechslung bietet Le Palais des Échecs auch Dame, Domino und Mahjong aus Holz an, die sich angenehm anfassen.
Anregen, ohne zu überfordern
Die Frage „Wie regt man einen Menschen mit Alzheimer an?“ stellen pflegende Angehörige oft. Erfahrene Gruppenleiter teilen einige Prinzipien.
- Auf Erfolg ausrichten. Ein Treffen soll mit einem Erfolg enden. Wenn die Person sich irrt, formuliert man neu, hilft, korrigiert nicht schroff.
- Von ihrer Geschichte ausgehen. Ein früherer Schach-, Tarock- oder Dominospieler findet vertraute Handgriffe leichter wieder als ein neues Spiel.
- Den richtigen Moment wählen. Viele Menschen sind morgens aufnahmefähiger; die Müdigkeit am Ende des Tages macht Spiele schwierig.
- Kurz halten. Zwanzig bis dreißig Minuten genügen oft. Besser aufhören, solange es noch angenehm ist.
- „Hausregeln“ akzeptieren. Wenn die Person einen unzulässigen Zug macht, ist das nicht schlimm: Ziel ist der gemeinsame Moment, nicht die perfekte Partie.
Was Spiele nicht leisten
- Sie verlangsamen die Krankheit nicht so weit, dass sie die ärztliche Betreuung oder die verordneten Behandlungen ersetzen könnten.
- Sie sind kein Test: Ein Misserfolg im Spiel sagt nichts Genaues über den Verlauf der Krankheit.
- Ein Spiel aufzuzwingen, das die Person in Schwierigkeiten bringt, kann beängstigender sein als anregend.
Zum Weiterlesen: Eine Schachgruppe im Pflegeheim leiten und die kognitive Reserve verstehen.
Häufige Fragen
Wie regt man einen Menschen mit Alzheimer an?
Mit Aktivitäten, die für ihn Sinn haben und die er bewältigen kann: vereinfachte vertraute Spiele, Musik, Erinnerungen, Handgriffe des Alltags. Kurze, regelmäßige Treffen in der Gruppe sind in den Studien zur kognitiven Stimulation am besten untersucht.
Welche Übung hilft bei Alzheimer?
Eine einzelne Übung gibt es nicht. Die untersuchten Programme verbinden Gespräch, Wortspiele, Kategorisieren, Erinnern und Gesellschaftsspiele. Angepasste körperliche Aktivität wird ebenfalls für die allgemeine Gesundheit empfohlen.
Welche Spiele fordern das Gedächtnis?
Memory, Bingo, Domino, Kartenspiele und, für frühere Spieler, vereinfachte Formen des Schachs. Wichtig ist, den Schwierigkeitsgrad so anzupassen, dass die Person Erfolg hat.
Was ist kognitive Stimulation?
Das sind strukturierte Aktivitäten, die Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und Denken beanspruchen, oft in einer kleinen Gruppe. Nach dem Cochrane-Review von 2023 bringt sie bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz einen kleinen kognitiven Nutzen.